Drytooling – Mit Pascal Kolly

Es ist Spätherbst, es liegt noch zu wenig Schnee für eine Skitour und es ist zu kalt fürs Sportklettern – trotzdem hast du Lust, dich in der Vertikalen zu bewegen. Drytoolen ist ein anspruchsvoller Sport und eine perfekte Alternative zum Sportklettern sowie die ideale Ergänzung für die meist kurze Eisklettersaison. Pascal Kolly erzählt uns, worauf es beim Drytoolen ankommt und was die Vor- und Nachteile im Vergleich zum Eisklettern sind.

Was ist Drytooling?

Diese Sportart wird am Fels mit dem gleichen Material wie beim Eisklettern betrieben. Das macht es zur perfekten Vorbereitung fürs Klettern am gefrorenen Nass. Wer nicht gerne in der Halle klettern geht und lieber draussen unterwegs ist, könnte Gefallen am Drytooling finden.

Was sind die Voraussetzungen fürs Drytoolen?

Dein Interesse. Es hilft, Vorkenntnisse im Klettern und Sichern zu haben und zu wissen, wie mit Pickel und Steigeisen umzugehen ist. Da Drytoolen meistens im senkrechten bis überhängenden Fels ausgeübt wird, hilft eine gute Portion Kraft im Oberkörper für die Ausübung dieser Sportart.

Was sind die Unterschiede zwischen Drytooling und Eisklettern?

  • Der Zustieg für das Drytooling ist oftmals kurz, einfacher also, den Kletterort zu erreichen oder wegen eines Wetterumschwungs abzubrechen.
  • Wenn die Verhältnisse fürs Eisklettern wegen dem Wetter oder dem Eis nicht optimal sind, bietet das Tooling die perfekte Alternative.
  • Beim Drytooling wird in Klettergärten mit vorgebohrten Sicherungspunkten geklettert. Das heisst, ein Sturz ist meist kürzer und sicherer. Beim Eisklettern werden Routen selbst gewählt und abgesichert.
  • Da im Überhang geklettert wird, ist Dryooling körperlich anstrengender.
  • Meiner Meinung nach braucht es zum Eisklettern eine grössere Kompetenz, um das Eis richtig einzuschätzen. Der Fels ist im Gegenzug relativ sicher.
  • Fürs Eisklettern benötigt man deutlich mehr Material – unzählige Eisschrauben, um die Route abzusichern und viel mehr Kleider gegen die Kälte und die Nässe.
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Was macht dir persönlich mehr Spass?

Eigentlich bin ich ein Fan vom Eisklettern, solange die Verhältnisse dafür stimmen. Denn die Ambiance, der Reiz und die Umgebung in der man sich befindet, ist einmalig. Leider ist die Saison meistens eher kurz, weshalb ich nun oftmals das Drytoolen als Trainingsform nutze.

Wo kann ich im Berner Oberland Drytoolen?

Im Berner Oberland und in Grindelwald gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Drytoolen auszuüben. Weitere Infos dazu findet man im Topo Buch "Drytooling & Mixe Suisse Ouest" von Simon Chatelan.

Kann ich bei jedem Wetter klettern?

Sobald ein Klettergebiet überhängend ist, kann wirklich bei jedem Wetter, das ganze Jahr durch trainiert werden. Ich toole meist von Oktober bis Ende Winter, da ich im Sommer am Klettern bin.

Was für spezielle Techniken sind zu beachten?

Beim Drytooling wird vor allem gehookt. Das heisst, der Pickel wird nicht wie beim Eisklettern im Eis eingeschlagen, sondern nur in natürlichen Strukturen oder extra vorgebohrten Löchern eingehängt. Die Züge sind verhältnismässig relativ weit und der Körper sollte wenn möglich immer zentral unter dem Pickel sein. Diverse Technikaspekte wie "gestreckte Arme" und "Eindrehen" werden beim Drytoolen, sowie beim Sportklettern genutzt. Weitere Infos zur Technik beim Drytoolen findest du im Lehrbuch "Steep Frozen" von Peter von Känel.

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Ist Drytoolen nicht beängstigend mit Pickeln und Steigeisen im Fels? Da ist doch das Verletzungsrisiko sicherlich hoch, oder?

Es gibt durchaus Routen oder lange Züge die mir Angst machen, und ich mich selbst überwinden muss. Denn der nächste Hook ist meist ziemlich weit weg und im Überhang zu klettern, kann auch ganz schön anstrengend sein. Mit Steigeisen und Pickel zu hantieren, birgt immer ein gewisses Verletzungsrisiko – nicht nur für die kletternde Person, sondern auch für die sichernde. Auch das Stürzen ist nicht ganz ohne, obwohl der Überhang einen guten Sturzraum bietet. Mit den scharfen Werkzeugen muss vorsichtig hantiert werden. Das Vertrauen in die Geräte und das eigene Können müssen Schritt für Schritt aufgebaut werden. Dann macht die Sportart richtig Spass.

Hast du zum Schluss noch einen Tipp?

Das Drytooling ist im Vergleich zum Eisklettern relativ sicher. Also: Lass dich auf das Erlebnis ein und probiere es einfach aus. Vielleicht ist es ja auch was für dich! Und wenn nicht, hast du es mal versucht. Zieh aber unbedingt warme Kleidung an und nimm dir einen warmen Tee mit, denn es kann auch gerne mal kühl werden. Und wenn die Eisklettersaison in Zukunft mal den warmen Temperaturen zum Opfer fällt, keine Panik, du kannst ja am Fels üben. Ich kann es also nur empfehlen.

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Das Interview wurde mit Pascal Kolly geführt. Er hat zwei Kinder, wohnt in Grindelwald und arbeitet bei den Gebirgsspezialisten der Kantonspolizei in Interlaken. In seiner Freizeit dreht sich vieles um den Bergsport. Sei dies Klettern, Skitouren, Hochtouren, Mountainbiken oder seine Faszination seit sechs Jahren, das Drytoolen.

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