Die längste Skitour meines Lebens

Einmal ein ganz aussergewöhliches Projekt vor unserer Haustüre realisieren, einmal drei Monate am Stück mit den Tourenskis unterwegs sein und sich der Herausforderung der Unplanbarkeit stellen - Hansruedi Gertsch erzählt von seinem Abenteuer.

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Idee

Die Idee

Als ich im 2019 meine Schulter operieren lassen musste und daher gezwungen war, es einige Wochen ruhig anzugehen, fiel mir per Zufall das Buch "Super-Haute-Route: Mit Ski über die Alpen von Nizza nach Wien" in die Hände. “Was für eine spannende Idee” dachte ich mir. Nachdem ich begonnen hatte, das Buch zu lesen, startete ich parallel dazu damit, die Route auf einer Topo-App einzuzeichnen. Nachdem ich damit fertig war, fand ich weitere Bücher und Online-Artikel dazu mit anderen Routen. Mein Interesse war geweckt...

Träume und Projekte sind da, um verwirklicht zu werden. Und so beschlossen meine Frau und ich, die Traversierung des Alpenbogens, allerdings von Wien nach Nizza, im Winter 2024 in Angriff zu nehmen. Von Anfang an war klar – die Chancen, dass wir im Mai 2024 wirklich am Mittelmeer ankommen, sind klein. Wenn wir es aber nie versuchen, so wissen wir nicht, ob es möglich ist.

Die "Planung"

Ich machte mich sogleich an die Planung – also "Planung” ist eigentlich das falsche Wort dafür. Es ist wohl eher ein Ausfindigmachen von möglichen Varianten. Da Überschreitungen mit Skis die Königsdisziplin im Skitourengehen darstellen und die Durchführung der einzelnen Etappen sehr stark vom Wetter und den Verhältnissen abhängt, werden wir viele Varianten benötigen, um unser Ziel zu erreichen. Wir sprachen mit unseren Arbeitgebern, welche uns die Auszeit bewilligten. Beide waren wir noch nie so lange weg von zu Hause und weg von der Arbeit. Die Logistik bereitete uns etwas Kopfzerbrechen, aber als wir Kollegen und Familie darauf ansprachen, spürten wir viel Unterstützung.

Map
Testlauf

Der Testlauf

An Ostern 2023 machten wir uns dann mal auf zu einem kurzen Testlauf – denn bis dahin war noch nicht klar, werden wir alles zu Fuss absolvieren oder auch mal öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Den Rucksack gepackt mit allem Nötigen, starteten wir zu Fuss in Fiesch und gelangten via Binntal zur Binntalhütte. Es war also schon ein bisschen komisch, das gesamte Skigepäck über Stunden auf dem Wanderweg zu tragen – aber doch eine spannende Erfahrung. Weiter ging es via Ofenhorn und Pizzi del Busin auf die Alpe Devero. Das war dann wieder mehr so, wie wir uns das Skitourengehen vorstellen. Die dritte Etappe führte uns über den Monte Cazzola, den Passo di Valtendra auf die Alpe Veglia und weiter über den Chaltwasserpass und das Mäderhorn bis nach Rothwald. Natürlich wären wir von dort gerne noch zu Fuss nach Brig abgestiegen, aber leider hatten wir am nächsten Tag nicht mehr frei und so gings mit Bus und Zug zurück nach Hause. Test geglückt mit der Erkenntnis, wir probieren, die gesamte Strecke zu Fuss zu absolvieren – es ist aber nicht das Hauptkriterium!

Wie weiter...

Am 1. Februar konnten wir schliesslich in Wien auf unsere Tour starten. Die ersten sechs Tage waren harzig, geprägt von Teer-Passagen und Eis. Am siebten Tag konnten wir dann doch zum ersten Mal unsere Ski anziehen. Wenig Schnee und viel Wind verlangten täglich einiges von uns. Trotzdem kommen wir Tag für Tag voran. Was wir auf unserem Abenteuer alles erlebt haben und noch werden, teilen wir gerne später mit euch...

Milestone

Zwischenbericht, Tag 43

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Geschrieben wurde dieser Blog-Artikel von Hansruedi Gertsch. Neben seiner Tätigkeit als Bergführer ist Hansruedi Skilehrer und Zimmermann. Zudem ist er Präsident des Bergführervereins Grindelwald.